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Grünen-Politiker üben sich im Dauerglotzen

Verfasst: 21. August 2006 17:13
von techno-com
[jv] Berlin - Die Grünen-Politiker Fritz Kuhn, Wolfgang Wieland, Grietje Bettin und Anna Lührmann suchen in einem 24-Stunden-TV-Marathon Erkenntnisse über die Programmstruktur und die Wirkung von Fernsehen.

In einer "Art Selbsterfahrung" wollen sie herausfinden, wie Fernsehen "in der Summe" wirkt, sagte Fraktionschef Kuhn am Montag auf Presse-Anfrage.

Kuhn betonte: "Wir wollen über Qualität reden, über Vielfalt". Ferner wollten sie die Darstellung von Gewalt unter die Lupe nehmen und beobachten, wie Konflikte in den verschiedenen TV-Genres behandelt werden. Wieland zufolge interessieren sich die vier vor allem für das Verhältnis zwischen Information und Unterhaltung. Dabei wollten sie auch das Augenmerk auf die Frage richten, ob es dabei Unterschiede zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern gibt. Kuhn unterstrich, demokratische Entscheidungen würden auch von der Frage beeinflusst, wie gut die im Fernsehen vermittelten Informationen seien. Bettin ist medienpolitische Sprecherin der Fraktion.

Wieland räumte ein, dass die Grünen bei medienpolitischen Fragen "besser auskunftsfähig" werden wollen. "Manche Dinge im deutschen Fernsehen kenne ich tatsächlich nicht", sagte er. So habe er sich noch nie eine der Nachmittags-Talk-Shows angeschaut. Dabei wolle er "auch mal das Trashige sehen". Zudem interessiere ihn "ein Blick" in Telenovelas und Vorabend-Soaps.

Kuhn und seine Kollegen wollten am Montagnachmittag über rund 40 Prozent der Sendungen, die sie sehen werden, vorab entscheiden. Dazu werden Kuhn zufolge Nachrichtensendungen, Gerichtsshows und die ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger" gehören, "der Rest wird gezappt". Wieland versicherte, am Ende des Tests werde es keine Forderung der Grünen nach bestimmten TV-Inhalten geben. "Wir halten viel von der Staatsferne der Sender, so dass es keinen Brief an die Intendanten geben wird", sagte er. Allerdings wollten sie Anregungen für die medienpolitische Diskussion sammeln.

Wieland schaut nach eigenen Angaben zumeist nur - "wenn überhaupt" - nach 22.00 Uhr fern, "Informationssendungen und mal Harald Schmidt". Der Versuch sei dennoch für ihn "keine Folter. Die Bequemlichkeit ist gewährleistet", sagte er. Zudem sei es "erträglicher und lustiger", das Programm gemeinsam zu sehen. Auch Kuhn liegt nach eigenen Angaben weit unter dem Bundesdurchschnitt von über drei Stunden täglichem Fernsehkonsum. "Ein langer Gucker bin ich sicher nicht", sagte er.

Wie die vier Politiker den Seh-Test verkraften, ist offen. "Es kann natürlich schon sein, dass nach 24 Stunden der Kampf um die Fernbedienung ausbricht", sagt Kuhn. Die größere Sorge sei aber, ob sie die 24 Stunden überhaupt aushielten. Aber Wieland stellte klar: Sollte jemand während des Tests einschlafen, "dann gibt man dem Programm die Schuld".


Quelle: http://www.digitalfernsehen.de vom 21.8.06