Wie am günstigsten Erdungskabel verlegen

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Vagabond
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Wie am günstigsten Erdungskabel verlegen

Ungelesener Beitragvon Vagabond » 23. Januar 2017 13:12

Hallo,

ich habe mich schon einige Zeit durch dieses und andere Foren bzgl. Erdung und Potentialausgleich gelesen (insbesondere Dipols Beiträge sind sehr hilfreich :thx ). Jetzt geht es mit der Sat-Anlage langsam auf die Endgerade und da ist noch das Problem der Antennenerdung.
Ich hatte ursprünglich vor, die Antenne an der Hausfront zu montieren im blitzgeschützten Bereich, aber leider habe ich dort Abschattungen durch Bäume, die den Empfang verhindern würden. Also blieb als Ausweg nur die Montage auf dem Dach die der freundlichen Dachdeckermeister gleich mit der Leitermontage verbunden hat.
Die Erdung der Antenne wollte ich durch eine sogenannte Fachkraft ausführen lassen (sogenannt deswegen, weil gleich die erste Frage war nach dem warum der Erdung und diese ergänzt wurde durch den Kommentar, dass das sowie so keiner mache). Dieser wollte nun das 16mm² Erdungskabel mit den Koax-Kabeln zusammen in den Keller führen und dann in diesem parallel zu unzähligen Stromkabeln bis auf die Erdungsschiene gehen. Meiner Meinung nach nicht wirklich sinnvoll.
Aber wie sollte das Kabel optimal verlaufen? Klar abseits der Koax-Kabel und auf kürzestem Weg außen entlang. Aber leider habe ich nur eine Erdungsschiene im Keller des Hauses und wie Murphys Law es will diagonal gegenüber der Satellitenschüssel.
Ich habe mehrere Möglichkeiten das Kabel zu führen und wollte fragen, welche die sinnvollste wäre, oder ob es andere, bessere Möglichkeiten gäbe. Zur Verdeutlichung einmal zwei Bilder:
Erdungsverlauf.jpg

Front.jpg

Ich würde das Kabel zunächst unter den Dachpfannen bis zur Hauswand verlaufen lassen, dort dann in der Ecke zum Nebenhaus senkrecht heruntergehen. Jetzt kommt der Punkt, wo es interessant wird:
1.) Ich könnte das Kabel waagerecht an der Schieferkante und über das Vordach laufen lassen und dann wieder senkrecht in den Kellerschacht runter und von dort auf die Erdungsschiene (roter Verlauf)
2.) Ich könnte das Kabel waagerecht an der Hauskante bis auf Bodenniveau herabführen und dann an der Kante entlang, um den Eingangsbereich zum Kellerschacht und zwar alles oberirdisch (gelber Verlauf)
3.) wie 2.) aber unterirdisch, wobei ich hier die Frage hätte, wie tief das Kabel mindestens verlegt sein müsste (grüner Verlauf)

Es geht in Summe um etwa 25m Erdungskabellänge was nach der Faustformel ja einen utopischen Trennungsabstand von etwa 2m ergeben würde (man korrigiere mich bitte, wenn ich das falsch verstanden habe). Daher die Frage welche der genannten Verlegungswege wäre am empfehlenswertesten oder wäre eine noch ganz andere Variante besser geeignet? Ich würde oberhalb der Fenster jeweils 1 Kabel vom Jalousieantrieb in der Nähe (<50cm) haben, des weiteren eine Steckdose im Erdgeschoss (<50cm). Bei den waagerechten Verlegungen würde ich parallel zu innenliegenden Leitungen liegen (sowohl im 1. OG als auch im EG). Bei der innenliegenden Dachrinne muss ich noch prüfen, ob das Rohr wie bei der zweiten aus Kunststoff ist oder ob hier ein Metallrohr verwendet wurde. Etwa 1m von der Satellitenantenne entfernt wurde darüberhinaus eine Aluminiumleiter auf dem Dach befestigt. Ist diese mit an die Erdung anzubinden um einen Lichtbogen zu verhindern?

Uff, viel Text aber ich hoffe, ich konnte klar machen, wo mein Problem liegt und hoffe, dass ich durch Euch Hilfe bei der Entscheidungsfindung bzgl. des Kabelverlaufs bekomme, die ich dann mit dem Elektriker besprechen kann.

Mit freundlichen Grüßen,

Jörn



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Re: Wie am günstigsten Erdungskabel verlegen

Ungelesener Beitragvon techno-com » 23. Januar 2017 13:23

Hallo und Herzlich Willkommen im Forum :freunde

Ich habe @Dipol soeben per Email angeschrieben und ihn darum gebeten sich dem Thema mal anzunehmen, wir werden wenige finden die dazu eine bessere Antwort verfassen können.


Der Hinweis aber vorab auf meine Fussnote !!! Arbeiten an Blitzschutz-Anlagen unterliegen dem qualifizierten Fachpersonal (der Hinweis wird auch von @Dipol sicherlich kommen).
Vielleicht sind wir nicht günstiger als ein Discounter oder reiner Online-Kartonschieber, aber sicherlich besser !
Normkonforme Beratung und Bau sind bei uns selbstverständlich.
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Hier im Forum wird kein After-Sales-Support für Fremdkäufe geleistet !! Wenden Sie sich dazu an ihren Verkäufer ......

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Wichtiger Hinweis:Zuständigkeiten verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) und Blitzschutzfachkräfte
Informieren Sie sich dort über Folgen und Auswirkungen von Eigenleistung und lassen Sie selbst durchgeführte Installationen von entsprechender Stelle prüfen und abnehmen.
Wir erteilen hier keine Rechtsberatung, unsere Hinweise sind nach bestem Wissen und bedürfen einer entsprechenden juristischen/technischen weiteren Beratung.

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Re: Wie am günstigsten Erdungskabel verlegen

Ungelesener Beitragvon Dipol » 23. Januar 2017 18:06

Vagabond hat geschrieben: Die Erdung der Antenne wollte ich durch eine sogenannte Fachkraft ausführen lassen (sogenannt deswegen, weil gleich die erste Frage war nach dem warum der Erdung und diese ergänzt wurde durch den Kommentar, dass das sowie so keiner mache). Dieser wollte nun das 16mm² Erdungskabel mit den Koax-Kabeln zusammen in den Keller führen und dann in diesem parallel zu unzähligen Stromkabeln bis auf die Erdungsschiene gehen. Meiner Meinung nach nicht wirklich sinnvoll.

Bis sich herumspricht, dass gefährliche Näherungen gegen Erdungsleiter aus 16 mm² Cu nicht harmloser als gegen 50 mm² Blitzableiterdrähte sind, muss erst noch eine Generation Elektriker aussterben.

Antennenerdungen ersetzen zwar keine baurechtlich vorgeschriebenen Blitzschutzanlagen, sind aber auch eine Blitzschutzmaßnahme. Nach Blitzschutzprinzipien sind Erdungsleiter wie Ableitungen von Blitzschutzanlagen auf möglichst kurzem Weg und primär senkrecht gegen Erde führen und unvermeidliche horizontale Verschleifungen auf bzw. unter Erdniveau anzustreben.

Vagabond hat geschrieben: Es geht in Summe um etwa 25m Erdungskabellänge ...

Was außer gefährlichen Näherungen noch 25 kV Spannungsabfall auf dem Erdungsleiter verursacht.

Eine Erdungsfahne an den Fundamenterder an der Hausecke wäre beim Hausbau nahezu zum Nulltarif herzustellen gewesen. So tief wie du bereits in die Materie eingetaucht bist, setze ich voraus, dass nicht von einer Verlegung des 16 mm² Cu knapp unter dem Pfaster geträumt wird.

Hier kann es nachträglich nur noch darum gehen die bestmögliche Notlösung zu suchen. Seit DIN 18014:2007-09 ist für Ringerder und Anschlussfahnen NIRO (V4A) gefordert, in DIN 18014:2014-03 wurde noch die Einbautiefe an Baunormen auf min. 0,8 m angepasst. Vor 2007-09 war noch St/tZn zulässig, so wie dein Haus dasteht ist von nicht korrosionbeständigem Material im Erdreich auch dann abzuraten, wenn die Fertigstellung davor erfolgt ist.

Mit dem bisherigen Input sehe ich nur zwei Lösungsansätze ohne Grabarbeiten:

  • Antennenträger zur rechten Hausecke verlegen, die größere Koaxlänge wäre mit guten Leitungen zu verkraften
  • Von einer Blitzschutzfachkraft einen NIRO-Erder an der Hausecke setzen lassen und den Antennenträger mit 8 mm Blitzableiterdraht aus Alu-Knetlegierung erden
  • Den Erder von der Trennstelle zwischen Ableitung und NIRO-Draht zum Erder innen blitzstromtragfähig mit der HES verbinden
oder

  • Die Antenne am geplanten Platz in LPZ 0B einer Fangleitung auf dem First - bei Erfordernis um eine Fangspitze erhöht - stellen
  • Antennenträger und Kabelschirme nach dem Gebäudeeintritt mit min 4 mm² Cu innen an die HES verbinden, dto. Sternleitungen und Gehäuse eines Multischalters.

Mit UG- und DG-Grundrissen ergibt sich vielleicht noch eine Variante mit einer Ableitung zu einem Erder an der linken nicht sichtbaren Hausecke, der ebenfalls mit der HES verbunden werden müsste.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Dipol für den Beitrag (Insgesamt 2):
techno-com (24. Januar 2017 04:55) • Vagabond (24. Januar 2017 12:01)
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Re: Wie am günstigsten Erdungskabel verlegen

Ungelesener Beitragvon Vagabond » 24. Januar 2017 11:41

Hallo Dipol,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort! :thx
Es bestätigt leider meine Befürchtung, dass das ganze nicht so ohne wird. Auf jeden Fall werde ich die Elektriker Firma noch mal wechseln (mal im Link im Footer vom techno-com schauen ob es bei mir in der Nähe entsprechende Blitzschutz Firmen gibt), weil mit solchen Dingen wie Du sie jetzt vorgeschlagen hast, werden die sehr wahrscheinlich überfordert sein (zumal ja auch schon offenkundige Wissenslücken bzgl. Erdung gezeigt wurden).
Ich werde dich per PN noch kontaktieren um dir ein paar Details mehr zukommen zu lassen die ich hier in der Form nicht unbedingt diskutieren möchte. Aber das Ergebnis werde ich garantiert noch nachreichen.

Viele Grüße,

Jörn

Dipol
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Re: Wie am günstigsten Erdungskabel verlegen

Ungelesener Beitragvon Dipol » 24. Januar 2017 13:55

Zur Demo für mitlesende Bauherren, wie wichtig bei Neubauten die Planung von Anschlussfahnen ist, eine flüchtige Modifizierung der Originalzeichnung.

Wenn das Dach steil genug ist, kann optimaler Isolierter Antennenschutz gegen direkte Blitzeinschläge allein mit einer Fangleitung möglich sein. An diesem Haus ist als Notlösung auch eine Fangleitung über die Firste mit nur einer Ableitung an die HES denkbar, was aus der Originalzeichnung noch nicht erkennbar war.

Bei wohnwirtschaftlich ausgebauten Dächern sind die erforderlichen Trennungsabstände notfalls durch Aufständerung der Fangleitung oder HVI-Lösungen einzuhalten.

https://www.youtube.com/watch?v=UDY1Qt0uSns
Dateianhänge
Antenne_Vagabond_P1.jpg


 


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