Separate Potentialausgleichsschiene auf dem Dachboden zulässig?

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ThomasV
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Separate Potentialausgleichsschiene auf dem Dachboden zulässig?

Ungelesener Beitragvon ThomasV » 16. August 2018 09:53

Hallo zusammen,

nachdem unser Neubau nun steht, geht es so langsam an die Planung der SAT Anlage. Dazu habe ich eine ganz spezielle Frage zum Potentialausgleich.

Den Artikel Erdung Satellitenanlage / Antennenmast + Potentialausgleich dazu habe ich gründlich gelesen.

Im Text steht:
[...] Dieser Erdungsblock muss dann mit einem mind. 1x4mm² Potentialausgleichskabel [...] mit dem Antennenmast verbunden werden, also genau am gleichen Punkt aufgelegt werden wo auch das Blitzschutzkabel aufgelegt ist [...]

Nun haben aber die Dachsparrenhalter idR nur eine Klemme für die Kabel. Ich habe dabei Bedenken, dass das 4mm² Kabel ordentlich hält, wenn es zusammen mit dem 16mm² (direkt zur Potentialausgleichsschiene im Keller) Kabel dort befestigt werden soll.

Eine Überlegung war daher, auf dem Dachboden eine weitere PAS zu montieren. Diese dann mit dem 16mm² Kabel auf die PAS im Keller führen und mit einem weiteren 16mm²an den Dachsparrenhalter.
Das 4mm² Kabel für den Erdungsblock (welcher mastnah installiert werden soll für die Koaxkabel) soll dann auch an die PAS auf dem Dachboden.

Irgendwann sollte noch eine PV Anlage aufs Dach, welche dann auch an die PAS auf dem Dachboden könnte - sofern dies erlaubt ist?!

Ich hoffe ich konnte es verständlich beschreiben.

Wie habt ihr es gelöst?

VG, Thomas
Zuletzt geändert von techno-com am 16. August 2018 10:08, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Edit by techno-com: Beitrag verschoben in passende Rubrik (von "technische Fragen zu Satanlagen" in "Montagematerial/-arten")



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Re: Separate Potentialausgleichsschiene auf dem Dachboden zulässig?

Ungelesener Beitragvon techno-com » 16. August 2018 10:06

Hallo und herlich-willkommen

Grundsätzlich sollte ihr Vorhaben so gehen, wäre aber eine Fragen an die zertifizierte Blitzschutzfachkraft dann vor Ort die ihnen das alles machen sollte (siehe Eingangssatz/-erklärung wer so etwas überhaupt alles durchführen darf unter Erdung Satellitenanlage / Antennenmast + Potentialausgleich , den von ihnen ja oben schon verlinkten Beitrag).
techno-com hat geschrieben:WER DARF DIESE ARBEITEN DURCHFÜHREN ? Edit 13.10.2017 nach Email von @Dipol
Zuständigkeiten verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) und Blitzschutzfachkräfte

In der Blitzschutznormenreihe IEC 62305, die aber nur für Gebäude mit Blitzschutzanlagen relevant ist, wird wie folgt gegliedert:

ÄUßERER BLITZSCHUTZ:
Fangleitungen, Ableitungen, Fangstangen und Erdungsanlage
INNERER BLITZSCHUTZ:
Potenzialausgleich und Überspannungsschutz

Innerer Blitzschutz setzt nach NAV § 13 immer einen Eintrag im Installateuerverzeichnis voraus, das erfüllen aber nur wenige Blitzschutzbauer die auch konzessionierte Elektrofachkräfte sind.

Nach DIN 18014 dürfen für Fundament- und Ringerder von Neubauten - mit wie ohne Blitzschutzanlage - nur von Elektro- oder Blitzschutzfachkräften mit einem Eintrag in einem Installateurverzeichnis verlegt werden und für diese muss ein Übergabe-/Messprotokoll erstellt und dem Kunden übergeben werden.

Eine Zusatzqualifikation als Blitzschutzfachkraft ist somit nur bei Direkterdungen an Blitzschutzanlagen oder Montagen getrennter Fangstangen gefordert, nicht aber für konventionelle Antennenerdungen ohne Blitzschutzanlage.


Andere haben das so gemacht:
Quelle: Umbau EFH von Kabel Unitymedia auf Sat Unicable/Jess
Bild

Oder auch so:
Quelle: Planung Neubau (ein parallel gerade hier laufender Beitrag 3-4 zuvor in dieser Rubrik)
Bild
Vielleicht sind wir nicht günstiger als ein Discounter oder reiner Online-Kartonschieber, aber sicherlich besser !
Normkonforme Beratung und Bau sind bei uns selbstverständlich.
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Wichtiger Hinweis:Zuständigkeiten verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) und Blitzschutzfachkräfte
Informieren Sie sich dort über Folgen und Auswirkungen von Eigenleistung und lassen Sie selbst durchgeführte Installationen von entsprechender Stelle prüfen und abnehmen.
Wir erteilen hier keine Rechtsberatung, unsere Hinweise sind nach bestem Wissen und bedürfen einer entsprechenden juristischen/technischen weiteren Beratung.

ThomasV
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Re: Separate Potentialausgleichsschiene auf dem Dachboden zulässig?

Ungelesener Beitragvon ThomasV » 16. August 2018 12:38

Hallo,

vielen Dank für die schnelle Antwort und die verlinkten Bilder. Wie ich sehe, bin ich nicht der einzige mit diesem Problem. Ich denke, ich werde die Variante 2 wählen und das 4mm² Kabel mit unter die Befestigungsschraube klemmen lassen. :-)

VG, Thomas

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Re: Separate Potentialausgleichsschiene auf dem Dachboden zulässig?

Ungelesener Beitragvon Dipol » 6. November 2018 00:19

Aus Anlass einer neuen Erkenntnis, dass es PAS/HES gibt, welche vom Hersteller mit 100 kA Blitzstromtragfähigkeit beworben werden, im Hochspannungslabor aber lediglich die stabilen äußeren Klemmen für einen Band- sowie 8 - 10 mm Rundstahl geprüft sind, hier ein aktueller Nachtrag zur Blitzstromtragfähigkeit von Klemmen für 16 mm² Cu.

ThomasV hat geschrieben: Nun haben aber die Dachsparrenhalter idR nur eine Klemme für die Kabel. Ich habe dabei Bedenken, dass das 4mm² Kabel ordentlich hält, wenn es zusammen mit dem 16mm² (direkt zur Potentialausgleichsschiene im Keller) Kabel dort befestigt werden soll.

Nach der für Antennensicherheit maßgeblichen IEC 60728-11 müssen als Brandschutzmaßnahme Leiter und Verbinder entsprechend der Gefährdungsklasse 3 für normale Wohngebäude Blitzströme bis 100 kA aushalten.

Bedenken sind nicht nur wegen Anschluss von zwei Drähten unterschiedlicher Querschnitte an Dachsparennhalter-Klemmen angebracht. Aktuell ist mir kein noch einziger Hersteller von Dachsparrenhaltern bekannt, der sich um die Prüfnormen schert und die Kosten für Zertifizierung in einem Hochspannungslabor nicht umgeht. KATHREIN bewirbt als einziger Anbieter u. a. auch Dachsparrenhalter mit angeblicher Blitzstromtragfähigkeit von 100 kA nach nationaler DIN VDE 0855-300 für Funksende-/empfangsantennen, obwohl das überhaupt keine Prüfnorm ist. Am ehesten wären noch Dachsparrenhalter mit einer Fix-/KS-Klemme für 8 mm Blitzableiterdraht blitzstromtragfähig, die Klemmen sind aber für schlankere 16 mm² Cu untauglich und Blitzschutzbauer werden Blitzableiterdraht nur über und nicht unter den Dachplatten anschließen.

Wie ein nicht blitzstromtragfähiger 4 mm² Cu angeschlossen wird, ist vergleichsweise unerheblich. Wenn der Draht selbst oder im Kabelschuh kontaktsicher und nicht suboptimal z. B. unter eine Holzschraube geklemmt wird, ist die Ausführung mängelfrei.

ThomasV hat geschrieben:Eine Überlegung war daher, auf dem Dachboden eine weitere PAS zu montieren. Diese dann mit dem 16mm² Kabel auf die PAS im Keller führen und mit einem weiteren 16mm²an den Dachsparrenhalter.
Das 4mm² Kabel für den Erdungsblock (welcher mastnah installiert werden soll für die Koaxkabel) soll dann auch an die PAS auf dem Dachboden.

Irgendwann sollte noch eine PV Anlage aufs Dach, welche dann auch an die PAS auf dem Dachboden könnte - sofern dies erlaubt ist?!

Dachaufbauten wie Antennen, PV-Anlagen oder auch Edelstahlschornsteine erhöhen nach Blitzschutzerkenntnissen nicht die Einschlaghäufigkeit. Obwohl sie als Beipass alle das potenzielle Schadensrisiko erhöhen, sind die Anforderungen an Antennen strenger, es sei denn es handelt sich um Gebäude mit Blitzschutzanlagen.

Sollte ich nochmals bauen, würde ich als blitzschutzkundiger RFT alle Dachaufbeuten gegen Direkteinschläge durch getrennte Fangeinrichtungen nach dem Stand der Technik schützen, weil nur so Einkopplungen von Teilblitzströmen ins Gebäude zu unterbinden sind. Objektiv noch wichtiger ist allerdings, dass man sein Haus gegen viel häufigere Überspannungsschäden wappnet, die über die Energie- und TK-Leitungen ins Haus eindringen können. Daher wird bei Neubauten immerhin der Schutz der Niederspannungsleitungen in Kürze Pflicht. Modulrahmen sind gewöhnlich schutzisoliert, deren Anschluss an bestehende Antennenerdungen konsequent, aber auf Gebäuden ohne Blitzschutzanlage mit 6 oder auch 16 mm² Cu normativ nur Kür und keine Pflicht.

FAZIT:
  • 16 mm² Kupferdraht hält - vorbehaltlich dafür konzipierter Klemmen - auch extrem seltenen Blitzstromstärken von 200 kA stand.
  • Eine örtliche PAS zur Verbindung von Erdungs- und PA-Leitern ist vorbehaltlich 100 kA Zertifizierung fachgerecht, gleichwohl eine suboptimale und vermeidbare Sollbruchbruchstelle.
  • Die Gefährdungsklasse von 100 kA für normale Wohngebäude erfordert, dass auch entsprechend geprüfte Bauteile zum Anschluss verwendet werden.
  • In der Prüform IEC 62051-1 sind jedoch 16 mm² Cu weder als Einzelmassivdraht noch mehrdrähtig aufgeführt.
  • Festzustellen ob PAS/HES und sonstige Bauteile wie vor allem Guss- oder Banderdungsschellen für 16 mm² Cu in Anlehnung an die Prüfnorm getestet wurden, ist bislang nur bei einem Anbieter online möglich.


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